Über das Pendeln zwischen Innen und Außen, zwischen Ruhe und Wachstum
1. Bewegung braucht Gegenbewegung
Wachstum entsteht selten im Dauer-Vorwärtsgang. Alles Lebendige scheint einem anderen Prinzip zu folgen: Es schwingt.
Zwischen Ausdehnung und Rückzug, zwischen Erkunden und Innehalten, zwischen Außenwelt und Innenorganisation.
Wir kennen diese Dynamik aus der Natur – und aus uns selbst.
Tag folgt auf Nacht. Sommer auf Winter. Aktivität auf Regeneration.
Nicht als Störung, sondern als notwendige Ergänzung.
2. Wachstum entsteht an den Rändern
Entwicklung braucht Reize.
Neue Erfahrungen entstehen dort, wo wir uns an die Grenzen des bisher Vertrauten bewegen. Dort, wo Neugier, Entdeckergeist und eine gewisse Unsicherheit auftauchen.
Diese Grenzbereiche sind oft unbequem.
Sie fordern Anpassung, Koordination, Neuorganisation.
Doch genau hier entstehen Wachstumsstimuli – körperlich, emotional, geistig.
Ohne diese Impulse bleibt Entwicklung aus.
Mit zu vielen davon verlieren wir Stabilität.
3. Konsolidierung geschieht im Inneren
Was im Außen angestoßen wird, muss im Inneren verarbeitet werden.
Regeneration ist kein Stillstand – sie ist aktive Organisation.
Ein schönes Bild liefert der Baum:
Er wächst sichtbar nach außen – in der Krone, direkt unter der Rinde.
Doch seine Stabilität entsteht im Inneren.
In Jahresringen, Verdichtungen, innerer Ordnung.
Auch wir brauchen diese Phasen:
Zeit ohne Ziel, ohne Leistungsanspruch, ohne Optimierungsdruck.
Zeit, in der sich Systeme sortieren, integrieren, festigen.
4. Autonomes Schwingen: Sympathikus und Parasympathikus
Unser Nervensystem kennt dieses Prinzip seit Millionen von Jahren.
Aktivierung und Ruhe sind keine Gegensätze, sondern Partner.
- Der Sympathikus ermöglicht Fokus, Handlung, Expansion.
- Der Parasympathikus schafft Reparatur, Integration, Stabilität.
Gesundheit entsteht nicht durch permanente Aktivierung –
sondern durch die Fähigkeit zu wechseln.
5. Die Rolle von Sicherheit, Zeit und Beziehung
Damit dieses Pendeln gelingt, braucht es ein sicheres Umfeld.
Und eine entspannte Beziehung zur Zeit.
Wer ständig unter Druck steht, bleibt im Außen hängen.
Wer sich vor Veränderung schützt, verharrt im Innen.
Erst Sicherheit erlaubt Entfaltung.
Erst Entspannung ermöglicht Organisation.
6. let’s swing
Vielleicht ist genau das eine zeitgemäße Haltung:
Nicht schneller werden – sondern beweglicher.
Nicht festhalten – sondern schwingen.
Zwischen Innen und Außen.
Zwischen Ruhe und Wachstum.
Zwischen dem, was wir kennen, und dem, was uns ruft.